Die MDK-Begutachtung ist ein entscheidender Moment: Ein Gutachter des Medizinischen Dienstes bewertet in rund einer Stunde Ihren Unterstützungsbedarf – und das Ergebnis bestimmt, welchen Pflegegrad Sie erhalten. Wer sich gut vorbereitet, erhält ein faires Ergebnis. Wer unvorbereitet ist, riskiert einen zu niedrigen Pflegegrad und damit deutlich weniger Leistungen.
Wichtig: Terminankündigung
Der MDK kündigt den Termin mindestens eine Woche im Voraus schriftlich an. Sie dürfen eine Vertrauensperson (Angehörige, Pflegefachkraft) hinzuziehen – das ist ausdrücklich empfohlen.
Das Pflegetagebuch: Ihr wichtigstes Werkzeug
Führen Sie mindestens zwei bis drei Wochen vor der Begutachtung ein Pflegetagebuch. Notieren Sie täglich: Welche Aktivitäten konnten nicht selbständig durchgeführt werden? Wie lange hat die Hilfe gedauert? Wie viele Male am Tag war Unterstützung nötig? Dieses Dokument liefert dem Gutachter konkrete Zahlen statt vager Eindrücke.
💡 Schlechte Tage dokumentieren
Zeigen Sie den Alltag an einem typisch schwierigen Tag – nicht den besten Tag der Woche. Gutachter bewerten den regelmäßigen Hilfebedarf, nicht den Ausnahmefall. Viele Pflegebedürftige unterschätzen sich aus Bescheidenheit – das kostet bares Geld.
Die 6 Begutachtungsmodule im Detail
Das Neue Begutachtungsassessment (NBA) bewertet sechs Module. Das Wichtigste vorweg: Modul 4 (Selbstversorgung) zählt mit 40 % Gewichtung am stärksten. Wer hier klare Einschränkungen hat, erzielt deutlich höhere Gesamtpunkte.
- 1Mobilität (Gewichtung 10 %): Aufstehen, Gehen, Treppensteigen, Umsetzen
- 2Kognitive und kommunikative Fähigkeiten (15 %): Gedächtnis, Orientierung, Gespräche verstehen
- 3Verhaltensweisen und psychische Problemlagen (15 %): Unruhe, Angst, Schlafstörungen, Demenz-typische Verhaltensweisen
- 4Selbstversorgung (40 %): Körperpflege, An-/Auskleiden, Essen, Toilettennutzung
- 5Umgang mit krankheitsbedingten Anforderungen (20 %): Medikamente, Verbandswechsel, Arztbesuche, Injektionen
- 6Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte (15 %): Tagesstruktur, Freizeitgestaltung, Kontakte
Was Sie beim Gutachtertermin zeigen sollten
- Zeigen Sie alle Hilfsmittel: Rollator, Haltegriffe, Badewannenlift, Pflegebett
- Legen Sie alle Arztberichte, Diagnosen und Medikamentenpläne bereit
- Beschreiben Sie ehrlich, wie die Unterstützung an einem normalen schwierigen Tag aussieht
- Erwähnen Sie psychische Belastungen, Schlafprobleme und Schmerzen explizit
- Nennen Sie auch den Aufwand für Angehörige (Zeit, Häufigkeit)
- Führen Sie das Pflegetagebuch sichtbar und übergeben Sie eine Kopie
Häufiger Fehler
Viele Menschen legen beim Gutachterbesuch ihr bestes Verhalten an den Tag – stehen schnell auf, wollen keine Hilfe annehmen und spielen Einschränkungen herunter. Das führt oft zu einem zu niedrigen Pflegegrad. Seien Sie ehrlich und zeigen Sie den typischen Alltag.
Widerspruch bei zu niedrigem Pflegegrad
Wenn der zugesandte Pflegegrad zu niedrig erscheint, haben Sie einen Monat Zeit, schriftlich Widerspruch einzulegen. Der Widerspruch kostet nichts und birgt kein Risiko einer Herabstufung. In rund einem Drittel aller Widersprüche wird der Pflegegrad nachträglich angehoben. Begründen Sie konkret, welche Einschränkungen Ihrer Meinung nach nicht oder falsch bewertet wurden.
Kostenlose Unterstützung
Das Helping-Home-Team begleitet Sie auf Wunsch beim MDK-Termin und hilft beim Widerspruchsschreiben. Rufen Sie uns an: 02064 – 399 52 99.
