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Ratgeber · Behandlungspflege

Wundversorgung in der Pflege 2026: Dekubitus, Ulcus & Wundpflege zuhause

Chronische Wunden sind eine der häufigsten Komplikationen in der Pflege — und gleichzeitig gut vermeidbar. Dieser Ratgeber erklärt, wie Dekubitus entsteht und verhindert wird, welche Wundarten zuhause versorgt werden können und wann der Pflegedienst übernimmt.

Wichtig: Chronische Wunden (Dekubitus Grad 2+, Ulcus cruris, diabetischer Fuß) müssen ärztlich behandelt werden. Verbandswechsel zuhause ist Behandlungspflege — bezahlt von der Krankenkasse bei Verordnung.

Die häufigsten Wundarten bei Pflegebedürftigen

Dekubitus

Druckgeschwür durch anhaltenden Druck auf Haut und Gewebe. Entsteht bei Bettlägerigkeit oder langem Sitzen ohne Umlagerung.

Risikogruppe: Bettlägerige, Rollstuhlfahrer, Diabetiker

Ulcus cruris

Chronisches Beingeschwür durch Durchblutungsstörungen (venös oder arteriell). Heilt ohne Behandlung nicht.

Risikogruppe: Ältere mit Venenleiden, Diabetiker

Diabetischer Fuß

Wunden am Fuß durch Nervenschäden (Neuropathie) — oft schmerzlos und deshalb spät erkannt.

Risikogruppe: Diabetiker, besonders Typ 2

Operationswunden

Wunden nach Operationen die ambulant weiterversorgt werden müssen (Verbandswechsel, Fadenzug).

Risikogruppe: Nach Krankenhausaufenthalt

Dekubitus-Grade: Erkennen und richtig reagieren

Grad 1
Rötung, Haut intakt
Zeichen
Nicht wegdrückbare Rötung, Wärme, Verhärtung
Maßnahme
Sofortige Druckentlastung, Lagerung alle 2h
Prognose
Vollständig heilbar
Grad 2
Blasen, oberflächlicher Hautverlust
Zeichen
Blase, Schürfwunde, flaches Geschwür
Maßnahme
Arzt, feuchte Wundversorgung, Druckschutz
Prognose
Heilbar in Wochen
Grad 3
Tiefe Wunde durch alle Hautschichten
Zeichen
Krater, sichtbares Unterhautfettgewebe
Maßnahme
Wundtherapie, ggf. Klinik, intensive Pflege
Prognose
Monate, Narbenbildung
Grad 4
Wunde bis zu Knochen / Sehnen
Zeichen
Freiliegender Knochen oder Sehne
Maßnahme
Sofortige Klinikeinweisung, OP möglich
Prognose
Lebensgefährlich

Dekubitus-Prävention: 6 wirksame Maßnahmen

1
Umlagerung alle 2 Stunden: Bettlägerige müssen mindestens alle 2 Stunden umgelagert werden — auch nachts. Lagerungsplan erstellen und dokumentieren.
2
Weichlagerung (Antidekubitus-Matratze): Spezielle Wechseldruckmatratzen oder Schaumstoffmatratzen reduzieren den Druck erheblich. Krankenkasse zahlt diese bei Verordnung (Pflegehilfsmittel).
3
Hautpflege & Feuchtigkeitsschutz: Haut täglich inspizieren. Trockene Haut eincremen. Feuchtigkeit (Inkontinenz) sofort entfernen — nasse Haut bricht viel schneller auf.
4
Ausreichende Ernährung: Unterernährung und Flüssigkeitsmangel erhöhen das Dekubitusrisiko massiv. Eiweißreiche Kost und mind. 1,5 L täglich sicherstellen.
5
Mobilisation so viel wie möglich: Auch kurze Sitzphasen helfen. Rollstuhlfahrer sollten sich alle 30 Minuten kurz anheben ("Abheber-Übung") oder ein Kipprollstuhl-Modell nutzen.
6
Gefährdungsstellen täglich kontrollieren: Besonders Steißbein, Fersen und Knöchel täglich auf Rötungen prüfen. Bei nicht wegdrückbarer Rötung: sofort Druck entlasten und Arzt informieren.

Wo entsteht Dekubitus? Gefährdungsstellen nach Lage

KörperstelleRisiko-LageHäufigkeit
Steißbein / GesäßRückenlageSehr häufig (30%)
FersenRückenlageHäufig (20%)
HinterkopfRückenlage (bes. Kinder)Selten
SchulterblätterRückenlageMittel
Knöchel / MalleolusSeitenlageHäufig
Hüfte / TrochanterSeitenlageHäufig
Knie (Innen)SeitenlageMittel
OhrenSeitenlageSelten

Wundversorgung durch den Pflegedienst: Was ist möglich?

Wundversorgung zuhause durch einen Pflegedienst ist Behandlungspflege nach §37 Abs. 2 SGB V. Voraussetzung ist eine ärztliche Verordnung (Muster 12). Die Krankenkasse zahlt direkt — ohne Pflegegrad.

Pflegedienst übernimmt:

  • ✓ Steriles Verbandswechseln
  • ✓ Wundreinigung und -beurteilung
  • ✓ Anlegen von Kompressionsverbänden
  • ✓ Dokumentation des Wundverlaufs
  • ✓ Koordination mit Hausarzt
  • ✓ Anleitung der Angehörigen

Benötigt wird:

  • 📋 Ärztliche Verordnung (Muster 12)
  • 🏥 Diagnose der Wunde
  • 📅 Angabe der Verbandshäufigkeit
  • 💊 Verordnung der Wundauflagen

Kosten: nur gesetzliche Zuzahlung (10 €/Verordnung, max. 2% Jahreseinkommen — Befreiungsmöglichkeit)

Häufige Fragen zur Wundversorgung

Was ist der Unterschied zwischen Wundversorgung durch Pflegedienst und Arzt?+
Der Pflegedienst übernimmt Verbandswechsel als Behandlungspflege nach §37 SGB V — mit Verordnung vom Arzt, bezahlt von der Krankenkasse. Der Arzt diagnostiziert, verordnet Wundauflagen und entscheidet über Therapie. Bei schweren chronischen Wunden (Ulcus cruris, Grad-3-Dekubitus) ist ein Wundtherapeut oder die Wundsprechstunde des Krankenhauses zusätzlich sinnvoll.
Wie erkenne ich einen Dekubitus im Anfangsstadium?+
Grad 1: Rötung, die nach Druckentlastung nicht verschwindet. Die Haut ist noch intakt. Sofort: Druck komplett entlasten, Lagerung ändern. Grad 2: Blasen, Hautverlust. Bereits behandlungsbedürftig. Grad 3+4: Tiefe Wunden bis zum Knochen — sofort Arzt! Tägliche Hautinspektion an Gefährdungsstellen (Steißbein, Fersen, Schulterblätter, Hinterkopf) ist Pflicht.
Zahlt die Krankenkasse den Verbandswechsel zuhause?+
Ja — Verbandswechsel zuhause ist Behandlungspflege nach §37 Abs. 2 SGB V. Voraussetzung: ärztliche Verordnung (Muster 12) mit Diagnose und Angabe der Häufigkeit. Die Krankenkasse zahlt den Pflegedienst direkt. Der Patient zahlt nur die gesetzliche Zuzahlung (10 € pro Verordnung, max. 2% des Jahreseinkommens).
Welche Wundauflagen zahlt die Krankenkasse?+
Ärztlich verordnete Wundauflagen (Hydrokolloid, Schaumverbände, Alginate, Silberverbände etc.) werden von der Krankenkasse übernommen. Die Verordnung erfolgt über das Kassenrezept (Muster 16). Selbst gekaufte Pflaster oder einfache Mullverbände werden in der Regel nicht erstattet.

Professionelle Wundversorgung zuhause

Unsere examinierten Pflegekräfte übernehmen Verbandswechsel & Wundversorgung — von der Krankenkasse bezahlt.

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